Seit ich hier an der Fachhochschule arbeite, ist mir viel witziges widerfahren. Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen man sich denkt:
Träume ich das alles eigentlich?
Ein gutes Beispiel bieten hier unsere Austausch-Studierenden. Jedes Jahr empfängt unsere Fachhochschule ca. 200 Studierende aus aller Herren Länder, die für ein Semester (manche auch länger) bei uns studieren. Ja, es gibt sogar welche, die ihrer Fachhochschule den gestreckten Mittelfinger zeigen, um ihr Studium bei uns abzuschließen. Vor allem in letzter Zeit ist das vermehrt der Fall.
Nun zu meinem Problem damit:
Einmal pro Semester veranstaltet die Abteilung „Internationales“ hier auf der Fachhochschule eine Orientierungswoche für derzeit anwesende (und künftige) Austausch-Studierende.
Selbstverständlich ist hier neben einem Deutschkurs auch eine Einführung in unsere IT-Infrastruktur geplant. Der glückliche Mitarbeiter der IT-Abteilung, der sich das antun darf, bin in den letzten beiden Semestern ich gewesen. Und was sich einem da für technische Wunder auftun, ist wirklich nicht von schlechten Eltern.
Bei dieser Einführung gibt es zwei Termine. Im ersten Termin werden die Benutzerkonten ausgehändigt, die Anmeldung am Computer und die Arbeit mit den Netzlaufwerken, etc. erklärt. Der zweite Termin, der weitaus gemeiner ist (und bei dem ich immer dabei bin), dreht sich um Wireless LAN und VPN. Jeder Austausch-Studierende, der daran interessiert ist, mit seinem privaten Notenbook ins Netzwerk zu kommen, wird gebeten, sich auch diesen Termin vorzumerken.
Letztes Mal waren es an die 100 Studierende, die auf zwei Gruppen in zwei gegenüberliegenden EDV-Labors untergebracht waren. Meine Warnung im Vorhinein, dass der WLAN-AccessPoint eine derartige Anzahl an gleichzeitigen Verbindungsversuchen nicht verkraften wird, wurde natürlich gekonnt ignoriert. Ich dachte mir nur, Ihr werdet es schon sehen. Und genau so kam es. Nach den ersten 50 Verbindungen war Schluss. Der AccessPoint machte Feierabend.
Alles nicht so schlimm – man gibt den Studierenden eben nur die Anweisung, wie sie die Verbindung einrichten. Beim nächsten Versuch klappt es dann bestimmt.
Leider sind nicht alle Studierenden so EDV-versiert, was man dann als EDV-Betreuer (der eigentlich nur still daneben sitzen und die Hand heben sollte, falls der Vortragende Quatsch redet) buchstäblich am eigenen Leib zu spüren bekommt.
Es hat nicht lange gedauert, und wir sind auf das nächste Problem gestoßen: Wie kriegen wir die Installationsdateien des VPN-Clients auf die Notebooks, wenn das WLAN nur IP-Adressen vergibt, und sonst nichts? Auch kein Problem – ein guter EDV-Mitarbeiter hat immer einen USB-Stick dabei (nur heute nicht *grmpf*).
Aber einer der Studierenden hatte Gott sei Dank einen dabei – also ging ich zum Vortragenden-PC, kopierte die Setup-Dateien und das WLAN-Profil für Studierende auf den USB-Stick und reichte ihn dem ersten Studierenden.
… MacBook … obwohl von uns explizit Windows gefordert wurde. Der Studierende sah mich nur mit fragendem Blick an und deutete auf das Display seines MacBooks. Heureka, ein neues mit Intel-Prozessor. Und sogar Windows XP drauf – ich verstehe aber trotzdem kein Wort. Die Betriebssystemsprache ist Vietnamesisch und der Typ kann nicht gescheit Englisch.
Wir haben beschlossen, diese Aufgabe künftig neuen EDV-Mitarbeitern als „Feuerprobe“ (oder Aufnahmetest) aufzutragen:
Versuchen Sie, einem Austauschsstudierenden mit Handzeichen zu erklären, wie er den Cisco VPN Client auf einem MacBook Air mit Windows XP und vietnamesischer Betriebssystemsprache installiert.