Seit Freitag ist mein Haus ein Asylantenheim für allerhand verschmuste Fellknäuel. Und die kleinen Bestien rauben einem den Schlaf. Aber da die Vorteile natürlich die Nachteile überwiegen, lasse ich es mir nicht nehmen, euch mal die Geschichte näherzubringen wie wir zu den kleinen Rackern kamen, und wie es die ersten drei Tage verlaufen ist.

„Suche neues Zuhause. Bin ca. ein Jahr alt, kastriert, sehr verschmust und stubenrein.“

Als mir meine Frau dieses Mail mit dem Beitext „Ich habe mich verliebt“ und dem Foto von betroffenem obdachlosen Lebewesen zukommen ließ, war es natürlich um mich geschehen.

Ich liebe Katzen. Und die ist einfach zum Fressen. Nun gut, natürlich kam auch gleich der Anruf von meiner Frau, ob ich das Mail auch schon erhalten habe. Ich muss gestehen, ich hätte am liebsten gesagt: „welches Mail?“, denn es ist momentan noch viel am Haus zu tun, doch ich konnte einfach nicht. Also habe ich mich dazu entschlossen, Katzenpapa zu werden – wieder einmal. Insgesamt habe ich schätzungsweise zwanzig kleine Fellbälle als Haustiere gehabt, und bei jedem war der Schmerz des Abschieds (durch Autofahrer, tw. Krankheiten, etc.) immer sehr groß. Meine Eltern haben ja noch immer drei, die mir aber, seit Sandra und ich in unseren eigenen vier Wänden wohnen, immer mehr fehlten. Also, zwei Stunden später war es bereits soweit. Ab zum guten Tierzubehörhändler und alles kaufen, was nur irgendwie mit Katzen zu tun hat. Katzenklo, Transportbox, Futter (für ca. 36 Jahre), und natürlich einen Kratzbaum und soviel Spielzeug, dass man das gesamte Grazer Landestierheim damit beglücken könnte. (Gut, es waren nur zwei Spielzeugmäuse und ein Ball mit einer Klingel drin – ich neige manchmal etwas zur Übertreibung). Danach musste natürlich auch noch dafür gesorgt werden, dass unser neuer Mitbewohner sich nicht alleine fühlt. Was tun? Natürlich! Noch ein bis zwei zusätzliche Katzen, vorzugsweise Babies. Also ab ins Internet, und nach Katzenvergabe googeln. Wir haben dann auch gleich mal zwei absolut süße Kätzchen gefunden. Nach kurzem Telefonat stand fest: die beiden ziehen auch bei uns ein. Was ich leider nicht bedacht habe, ist die Unverfrorenheit des Menschen. Die Dame, die die Katzen vermittelte, kam zum vereinbarten Termin zu uns ins Haus, um die neue Wohnsituation der Kleinen zu begutachten. Sie machte auch keinerlei Anstalten, einzig die offenen Treppen hat sie mit etwas Mißmut betrachtet. Aber sie sagte, sie meldet sich, wenn sie mit den Katzen wegfährt. Nach ca. zwei Stunden warten kam dann der Anruf: Die Katzen wurden anderweitig vergeben. Na toll. Sandra hat sich fast zwei Stunden die Augen ausgeheult, was mich natürlich auch nicht gerade freute. Also machte ich ihr den Vorschlag, am nächsten Tag ins Tierheim zu fahren, denn diese Tiere wären wahrscheinlich viel froher über ein neues Zuhause. Die anderen Katzen, die über solche Vereine vermittelt werden, finden ohnehin immer ein Zuhause.

Um 17:30 Uhr läutete es an der Tür. Die Arbeitskollegin von Sandra, die uns die Katze von der Mail brachte, stand vor der Tür. In der Hand eine Transportbox, und ein kleines verschrecktes Etwas drin. Zumindest dachte ich das. Als wir dann im Wohnzimmer ankamen und die Tür der Transportbox geöffnet wurde, kam „Fender“ völlig neugierig herausgekrabbelt, und find sofort an, überall drüberzustreicheln. Über uns, den Kratzbaum, das Katzenklo. Sie hörte überhaupt nicht mehr auf, an allem vorbeizustreifen, was auch nur in ihre Nähe kam. Sie war wirklich süß. Vor allem, ich hatte noch nie eine solche Fellfarbe gesehen. Gestern habe ich herausgefunden, dass „Fender“ eine sogenannte „British Smoke Shorthair“ ist – die Fellfarbe ist besonders selten. Man muss sich das so vorstellen: die Fellfarbe ist am Unterhaar hellgrau bis weiß und wird zu den Spitzen immer dunkler. So sieht es aus, als wäre sie von einem Auto-Tuner lackiert worden. Wenn sie geht, schimmert das Fell immer abwechselnd weiß und schwarz. Eine Flip-Flop-Katze. :-) Nachdem Eva dann das Haus verlassen hatte, fing Fender an, das ganze Haus zu inspizieren. Sie lief die Treppen auf und ab, streifte jeden Winkel, um zu sagen: „Das gehört jetzt mir“. Und natürlich fand sie besonderen Gefallen an unserem Bett. Genauso sah auch die erste Nacht aus. Sie schlief noch nicht besonders viel, offenbar wegen der Aufregung über die neuen Eindrücke. Deshalb lief sie uns die ganze Nacht über das Gesicht, wollte, dass wir sie streicheln, miaute, schnurrte. Aufgrund des Schlafmangels am nächsten Morgen hielten wir es für unerlässlich, ihr Gesellschaft zu besorgen.

Als wir dann am Samstag vormittag ins Tierheim fuhren (selbstverständlich erst, als wir eine ca. 30-minütige Abschiedseskarpade hinter uns hatten), waren wir natürlich von allen Katzen, die dort Zwischenstation hielten, hin und hergerissen. Jedoch eine hat es uns besonders angetan. Ein kleiner, ca. ein jahr alter Kater, schwarzweiß. Wir waren uns einig, diesem kleinen verspielten Racker geben wir ein neues Zuhause. Also ab damit in die Transportbox und auf den Heimweg. Es hieß noch, dass der Kleine bis vor kurzem noch an Katzenschnupfen gelitten hatte und deswegen geimpft wurde. Aus diesem Grund hatte er einen kleinen kahlen Fleck zwischen den Schulterblättern. Aber die Dame vom Tierheim hat uns eine spezielle Salbe mitgegeben, damit wir das selbst behandeln können. Auch den Tipp, die Transportbox mit dem Kater zuerst geschlossen ins Haus zu stellen, damit Fender sich an ihn und seinen Geruch gewöhnen kann, gab sie uns noch mit auf den Weg. Gut, also ab ins Auto. Im Wagen war es trotz Klimaanlage nicht gerade kühl, und „Gipson“ hat wie ein kleiner Hund gehächelt. Einerseits wahrscheinlich aus Angst, andererseits, weil es in der Transportbox ca. 45°C gehabt haben muss. Sandra beeilte sich sehr auf der Autobahn, um dem Kater das Drama so weit als möglich zu ersparen. Er konnte ja nicht wissen, was ihn noch erwartete …

Als wir zu Hause ankamen ging das Drama eigentlich schon los. Wir stellten, wie vor der Tierheimlady geraten, die Transportbox ins Wohnzimmer. Das erste, was passierte war, dass Fender auf die Transportbox zuging und mal so richtig losfauchte. Danach versteckte sie sich unter dem Esstisch. Gipson ließ das aber völlig kalt. Er kam aus der Transportbox heraus, und führte sich genauso auf wie Fender. Er begutachtete alles und jeden, streifte überall herum. Doch wenn er Fender zu nahe kam, ging das Geknurre und Gefauche wieder von neuem los. Und das hat sich die ersten drei Tage so gehalten. Gipson ist zutraulich, verspielt und aufgeweckt. Fender jedoch sucht das Weite, wenn wir ihr zu nahe kommen. Genauso ist es, wenn Gipson ihr zu nahe kommt. Sie faucht und knurrt, was das Zeug hält. Gipson unterwirft sich ihr immer sofort. Und uns passt das natürlich auch nicht. Wenn schon zwei Katzen, dann sollten sie sich wenigstens verstehen.

Aber man wird ja sehen, wie’s weitergeht. Fakt ist, keine der beiden wird wieder hergegeben.