Ich würde meinen Fahrstil als „sportlich-sicher“ beschreiben. Ich nehme Kurven gerne etwas enger, wenn es die Verkehrslage zulässt und überhole auch hin und wieder, wenn der Verkehrsteilnehmer vor mir zwar die Geschwindigkeitslimits einhält, jedoch einen Fahrstil an den Tag legt, der mich entweder einfach nur zum Kotzen bringt (dazu zählt vor allem das unmotivierte Vollbremsen ohne zu blinken oder ähnliches), oder ich mich hinter diesem Kerl, trotz Einhalten des Sicherheitsabstandes, einfach unsicher fühle. Fahranfänger sind mir da am Liebsten.
Am schlimmsten ist das aber nicht etwa um 02:00 Uhr früh, wenn die Geschwindigkeitslimits eigentlich nur noch von Warmduschern eingehalten werden, sondern am Freitag zu Mittag, wenn ich ins wohlverdiente Wochenende fahre. Ich habe ca. vier Kilometer von der Firma aus der Stadt heraus, und dann nochmals ca. zehn Kilometer auf der Landesstrasse nach Hause. Ich möchte ehrlichgesagt nicht daran denken, wie oft ich in diesen vierzehn Kilometern Fahrt um mein Leben fürchten muss.
Jeder ist sich selbst der nächste – das ist das Prinzip des freitäglichen Strassenverkehrsteilnehmers in Graz und Umgebung. Ergo gibt es natürlich auch ein paar Leitsätze, die jeder Auto-, Moped,- Bus-, und Traktorfahrer sich für den Freitag Mittag vorgenommen hat (dazu auch gleich die passende Gruppe Verkehrsteilnehmer):
- (Zumeist BMW, Mercedes) Ich blinke nicht, weil’s dich gar nichts angeht, wo ich hin will
- (Zumeist Taxis, BMW, Mercedes, Tuning-Cars) Die Ampel ist doch nicht Rot, nur dunkelorange
- (Offensichtliche Fahranfänger mit viel Selbstvertrauen) Dich überhol’ ich auch mit 50 PS
- (Ältere, Fahranfänger, LKWs) Mittelstreifen? Was iss’n das?
- ( F R A U E N ) Ich schlafe immer, wenn die Ampel rot ist
- (Traktorfahrer) heute sollen mindestens 100 Autos hinter mir herschleichen
Um nur die wichtigsten zu nennen. Ich wäre gerne mal an einem Freitag Mittag Polizist auf Streife. Oh Mann, und dann vielleicht auch noch das eingenommene Geld behalten dürfen … ich bräuchte nie mehr arbeiten zu gehen.
Die schönste Geschichte bis jetzt war eindeutig dieser eine Morgen, als ich und Sandra unterwegs nach Graz zur Arbeit waren. Auf einer besonders unübersichtlichen Strecke mit enger Straße und vielen Kurven, taucht plötzlich ein rostiger Golf 2 auf. Gut, wir fahren natürlich hinterher, als der Typ, der sich natürlich sofort als Idiot geoutet hat (Baseballkappe, Ohrring, 50 € Anlage mit Lautstärkepegel auf 120% und Hifonics-Aufkleber auf der Heckscheibe) plötzlich völlig unmotiviert den Anker wirft. Er macht aber keine Anzeichen, durch Blinken oder wenigstens Handzeichen ein bevorstehendes Abbiegen zu signalisieren. Nein, er blieb einfach stehen und schaute offensichtlich in die Luft. Sandra drückte auf die Hupe – eigentlich nicht böse gemeint – nur, um den Herren vor uns darauf aufmerksam zu machen, uns doch bitte seine Absichten mitzuteilen.
Das, was er uns mitteilte (ein ausgestreckter Mittelfinger nach hinten), war natürlich nicht sehr hilfreich. Er fuhr aber wenigstens weiter – machte aber das, was jeder dieser Gattung Mensch natürlich sofort darauf machen würde: er beschleunigte auf 50, und schliff dann wieder zusammen – immer wieder. Sandra hat dann das einzig richtige gemacht – den Typ angezeigt.
Und genau das ist der Grund, warum ich am Freitag nicht gerne Auto fahre, versteht ihr?